Der Bon Ton des Rokoko

Treten Sie ein in die schillernde Welt des Rokoko

Schließen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, Sie überschreiten die Schwelle zu einem glanzvollen Ballsaal im Jahre 1750. Der Alltag fällt von Ihnen ab. Das gedämpfte Licht der Kerzenleuchter, das leise Rascheln von schwerer Seide und Brokat sowie das stimmungsvolle Stimmen der Violinen empfangen Sie.

Sie sind nicht länger nur ein Gast – Sie sind Teil dieser wunderbaren Gesellschaft. Treten Sie ein in unser Le Bon Genre, in dem Ästhetik, Rücksichtnahme und historische Leichtigkeit den Takt angeben.


Das wahre Auftreten


Lassen Sie den Blick schweifen. Sehen Sie dort drüben? General von Seydlitz, tadellos gekleidet in die elegante Uniform der preußischen Kavallerie, den Degen an der Seite. Er macht soeben Gräfin Voß seine Aufwartung, die in einer prächtigen Robe mit Fischbein und feinster Spitzenverarbeitung erstrahlt. Wie durchdacht ihre Wahl ist: Die edle Gewandung folgt dem Geist der Zeit, während maskierte Gesichter das Spiel von Schein und Identität vollenden.

Das ist keine bloße Garderobe – es ist die sichtbare Wertschätzung für die gesamte Ballgesellschaft unter den Augen unseres erhabenen Monarchen Friedrich II.


Die Harmonie des Parketts


Die Musik setzt ein. Auf dem Parkett herrscht reine Harmonie, ein Dialog ohne Worte. Sehen Sie, wie Graf Heinrich von Podewils und die Marquise sich geduldig unten in die Gasse einreihen? Sie lauschen gebannt den Anordnungen des Tanzmeisters und würden das Set niemals während einer laufenden Runde verlassen.

Auf unserem Parkett gibt es keine Fehler, nur Variationen. Sollte ein Paar einmal ins Stocken geraten – vielleicht, weil der eifrige Schwung eines Herrn von Bielfeld für einen Moment die tänzerische Orientierung übersteigt –, so trübt kein Tadel die Stimmung. Ein dezenter Wink genügt, und unsere "Tanzengel" eilen herbei – galante Helfer, die unbeholfenen Paaren mit einem Lächeln durch die Figuren helfen und den Fluss der Gasse mühelos wiederherstellen.


Die Kunst der Kulinarik
& Das unsichtbare Ballett


Auch abseits des Tanzsaals ruht das Le Bon Genre nicht. Ach, wie reizend: Beobachten Sie den Philosophen von Sanssouci, Graf Algarotti, drüben am Buffet! Wie galant er die Porzellanteller hält, während Gräfin Camas für sie beide mit zielsicherem Geschmack die köstlichsten Spezereien wählt. Welch wunderbares Bild der Fürsorge und des stilvollen Miteinanders!

Wahre Höflichkeit zeigt sich hier im Blick für den anderen. Man holt nicht eilig ein zweites Mal nach, bevor nicht auch die restliche Gesellschaft die erste Wahl genießen durfte.

Da bei unserem Souper das sonst übliche livrierte Dienstpersonal fehlt, welches zu Hofe das schwere Mobiliar rückt und die Speisen aufträgt, obliegt es der galanten Aufmerksamkeit der Anwesenden, diese Pflichten selbst zu übernehmen. Beim Gang an das Buffet trägt der Tischherr die Teller, während es der Dame zufällt, die Speisen für sich und ihren Begleiter aufzulegen. Am Tisch selbst rückt der Herr den Stuhl für seine Dame. Gebietet es die Situation, dass sich eine Dame von der Tafel erhebt, so erheben sich augenblicklich auch alle Herren an diesem Tisch. Damen, die ohne festen Tischherrn speisen, dürfen sich jederzeit an einen der anwesenden Herren wenden und diesen um die entsprechende Aufwartung bitten.

Achten Sie auf das unsichtbare Ballett im Raum: Erhebt sich eine Dame von der Tafel – ob beim Kartenspiel oder zur Teatime –, erheben sich sogleich auch die Herren in ihrer Nähe, ganz so, wie es am Hofe von Friedrich dem Großen Sitte ist. Ein Begleiter rückt diskret den Stuhl. Kehrt sie zurück, wiederholt sich diese würdevolle Geste. Es ist ein Rhythmus, der den gesamten Tag durchzieht.

Und natürlich gebietet es der Respekt vor unseren Gastgebern und den prächtigen historischen Sälen, dass wir Getränke und Speisen nicht in die Tanzsäle tragen und auf selbst mitgebrachte Erfrischungen gänzlich verzichten.


Ihre Eintrittskarte in die Gesellschaft:
Das Billet de Visite


Wie es Sitte ist, öffnet eine kunstvoll gefertigte Carte d’Adresse die Türen zu den elegantesten Salons und Herzen der Gesellschaft. Die Geschichte dieser feinen Gepflogenheit ist von wahren Anekdoten und Meisterschaft gezeichnet: So nahm die Historie einst ihren Anfang, indem man schlicht den eigenen Namen auf die Rückseite einer ausgedienten Spielkarte schrieb und diese in das Türschloss des geschätzten Herrn steckte.

Im goldenen Zeitalter des Rokoko waren es vor allem begnadete Künstler, welche die feinen Karten in meisterhafter Technik des Kupferstichs anfertigten – im deutschen Raum tat sich hierbei besonders der berühmte Johann Michael Mettenleiter hervor. Ein wahrhaft nobler Herr achtete bei Tisch und im Salon peinlich genau darauf, dass der Kupferstich echten Charakter bewies: Die Rückseite musste glatt bleiben, während nur die Vorderseite eine erhabene Prägung trug. Um dem Gegenüber den Grund des Kommens wortlos kundzutun, bediente man sich einer raffinierten Falttechnik – etwa dem Knicken der linken oberen Ecke, was der Herrschaft diskretzeigte, dass man den Gewünschten leider nicht angetroffen hatte.


Unser Kompendium der Eleganz

Für das formvollendete Auftreten um 1750

Barockes Wappen Barockes Wappen

Formvollendete Toilette

Teint, Coiffure & das Geheimnis der Mouches


Barockes Wappen Barockes Wappen

Authentische Mode & Gewandung

Silhouette, Stoffe & das Mysterium der Maske


Barockes Wappen Barockes Wappen

Distinguierte Gestik & Ausdrucksweise

Haltung, Reverenz & die Sprache des Fächers